SEO: Die wilde Fahrt von 2000 bis 2024

Inhaltsübersicht

Wie aus Keyword-Stuffing eine Kunstform wurde.

Da denke ich zurück an die Zeit, als SEO noch so einfach war wie das Erstellen eines Breakbeat-Tracks Anfang der 1990´er: Mit einem Atari ST, Cubase, Akai 900 und einem 4 bis 8-Kanal Mixer, wurde aus Papas Plattensammlung fleißig alles gesampelt, bis der Speicher des Samplers voll war.

Dann die Drums, Bassline und die Hooks arrangiert. Etwas Feinarbeit gepaart mit viel Gefühl und Emotion. Aufnahme auf einem Metall-Tape von TDK und fertig. Hat funktioniert. 

 

Atari ST

 

So simpel war mal SEO, noch Anfang der 2000´er. Du hattest deine Grundelemente: Keywords, Meta-Tags, ein paar Backlinks – fertig war der Mix.

Wollte damals ein Zahnarzt aus Frankfurt für „Implantate Frankfurt“ ranken, konnte man den Begriff  15x in den Body-Text packen, den Titel und Meta-Description vollstopfen, einige Random-Backlinks erstellen und drei Wochen später war er schon in den Top-10 Suchergebnissen. So einfach war das.

Das SEO und auch Google waren bei Weitem noch nicht so schlau wie heute. Aber hier kommt der Punkt: Diese goldene SEO-Zeit war bereits 2003 vorbei. Nicht 2010, nicht 2011 mit Panda. Sondern 2003.

 

2003: Florida macht Schluss mit Keyword-Stuffing

Über Nacht verschwanden Websites aus den Suchergebnissen. Kleine Online-Händler, die jahrelang mit Keyword-Stuffing erfolgreich waren, gingen pleite. Einfach so. Weg.

Ich erinnere mich an die Panik in den SEO-Foren. „Was ist passiert?“ „Warum rankt meine Website nicht mehr?“ Die Antwort war brutal einfach: Google hatte gelernt, Spam zu erkennen.

Das Florida Update war Googles erste große Verwendung von statistischer Link-Analyse. Plötzlich reichte es nicht mehr, einfach nur viele Keywords zu haben. Google analysierte jetzt die Verlinkungsstrukturen, erkannte unnatürliche Muster und bestrafte sie erbarmungslos.

 

Plattenkiste verbrannte Websites

 

2005: Big Daddy und Jagger

Wer dachte, Florida war ein Einzelfall, wurde 2005 eines Besseren belehrt. Google rollte gleich zwei massive Updates aus: Big Daddy und Jagger.

Big Daddy (Dezember 2005 bis März 2006) war eine komplette Überholung der Google-Infrastruktur. Bessere Indexierung, intelligentere Behandlung von Redirects, höhere Qualität der Suchergebnisse. Das war nicht nur ein Algorithmus-Update – das war ein kompletter Neuaufbau.

Jagger (September/Oktober 2005) ging noch einen Schritt weiter.
Unnatürliches Linkbuilding? Bestraft.
Duplicate Content? Bestraft.
Manipulative Link-Strategien? Bestraft.

Plötzlich mussten SEOs lernen, was „natürlich“ bedeutet. Ein Begriff, der bis heute Diskussionen innerhalb der Branche prägt.

 

PageRank: Die stille Evolution

Parallel zu den großen Updates entwickelte sich PageRank kontinuierlich weiter. 2005 enthüllte Marissa Mayer bei einer Konferenz etwas Entscheidendes: Google entwertet Links von irrelevanten Seiten.

Das klingt heute selbstverständlich. Damals war es revolutionär. Bis 2005 konnte ein High-PageRank-Link von jeder beliebigen Seite helfen – egal, ob thematisch relevant oder nicht.

Diese Änderung machte Link-Spam deutlich schwieriger. Plötzlich mussten Links nicht nur stark, sondern auch relevant sein.

 

Das Ende der Einfachheit

Heute denk ich an diese alten Websites zurück, lasse gleichzeitig im Hintergrund das Tape „ Original Rude Boy Style – Ruffmix“ laufen und muss schmunzeln. Beides war wie früher das DJing mit Vinyl – alles sehr direkt, sehr analog. Du wusstest genau, welche Stellschraube du drehen musstest.

Aber schon 2003 war diese Zeit vorbei. Google war erwachsen geworden. Aus der simplen Suchmaschine war ein komplexes System geworden, das Spam erkannte, Relevanz bewertete und Qualität belohnte.

Die meisten SEOs haben das nicht gleich verstanden, mich eingeschlossen. Wir dachten, die einfache Zeit würde noch Jahre dauern. Tatsächlich war sie bereits Geschichte.

 

 

2010: Site Speed

Als Google 2010 Site Speed zum Ranking-Faktor machte, war das für viele der erste echte Weckruf. Überall in den SEO-Gruppen die gleiche Panik: „Was bedeutet das? Muss ich jetzt Programmierer werden?“

Bei der Dentalfirma, bei der ich damals arbeitete, waren wir noch total oldschool unterwegs. Unsere Website lud gefühlt drei Minuten, aber das war egal, solange die Keywords stimmten. Als B2B-Webshop, mit hauptsächlich direktem Traffic hatten wir die Performance über organischen Traffic weinger ernst genommen. Und die Aufträge per Fax, kamen mit gesunden 40%-Bestellanteil. Läuft doch.

Nach der Ankündigung haben wir erstmalig mit dem Entwickler des selbstentwickelten Webshops das Thema angesprochen. Er hatte sich in seinem Büro in Henstedt Ultzburg richtig ins Zeug gelegt. Er hat unsere Ladezeit von 9 auf 5 Sekunden reduziert.

Ja, 5 Sekunden, Desktop, mit stabiler Internetverbindung… 5 Sekunden.

Aus heutiger Sicht nicht wettbewerbsfähig. Einfach zu langsam.

Dennoch, das reichte damals schon, die organischen Rankings gingen nach oben. Nicht explosiv, aber merklich.

Google machte wieder einen Wachstumsschub. Eine klare und nachvollziehbare Entwicklung. Evolution.

Wie bei den ersten Drum-and-Bass-Produktionen – am Anfang reichte ein Amiga, eine Armada 8-Bit Samples, und pure Emotion, um Labels wie Slammin Vinyl legendär und erfolgreich zu machen.

Aber irgendwann musste auch der Sound stimmen. Relativ schnell standen aufwendigere Produktionen im Zentrum der DJ Sets. Ein Meilenstein war da die 1994 erschienene Moving Shadow 45 – Renegade „Terrorist“ und schuf eine neue Drop-Erfahrung und zeigte gleichzeitig, dass auf einen brachialen Reese-Bass eine weitere Bassline drauf passt.

Und dieser neue Sound war in den Clubs plötzlich die neue Referenz.

 

 

2011: Panda frisst Content

Ich erinnere mich, begleitet von einem aufdrängenden Schwall an Verdrängung: Panda kam wie ein Blitzschlag. Ein Bekannter, der unter anderem Affiliate-Websites für Versicherungen betrieb, schlug Alarm.

„Mein Traffic ist von 50.000 auf 2.000 Besucher pro Tag gefallen!“

Seine Website war eine Content-Farm. Hunderte dünne Artikel, alle nach dem gleichen Schema: 300 Wörter, Keyword-Dichte 8%, keine echte Information. Hat jahrelang funktioniert. Nach Panda war sie praktisch tot.

Ja, was war los? Panda Update war los. Google hatte endlich gelernt, Müll von echtem Content zu unterscheiden. Und seine Website? War leider Müll.

Er hat mehrere Monate gebraucht, um die Seite wieder aufzubauen. Diesmal mit echtem Content. Value.

Er hat einen Versicherungsmakler als Autor geholt, der wirklich Ahnung von der Materie hatte. Die Rankings kamen langsam zurück, sehr langsam, aber sie kamen. Weniger Rauschen, mehr HQ.

Parallel dazu kam Schema Markup auf. Rich Snippets mit Sternen und Preisen – plötzlich stachen manche Suchergebnisse richtig hervor.

Das war wie in den 90´er, als der Pioneer DJM 500 Mixer in die Clubs kam und „alte“ Vestax oder Rodec-Modelle in den Ruhestand schickte – wer es auf dem DJM 500 draufhatte, konnte seine Live-Sets auf ein neues Level stellen.

Wer das Im SEO früh kapiert hat, hatte plötzlich viel auffälligere Suchergebnisse. Mehr Klicks, bessere CTR. Während andere noch über Panda geweint haben.

Ehrlich gesagt, Panda war überfällig. Das Web war voller Schrott geworden. Content-Farmen überall. Google musste was tun. Und sie haben’s getan. Radikal, aber effektiv.

Trotzdem… für viele war’s das Ende. Kleine Affiliate-Seiten, die jahrelang gut gelaufen sind, waren über Nacht weg. Nicht alle haben’s geschafft, sich neu zu erfinden.

Manche sind einfach verschwunden.

 

 

2012: Penguin räumt auf

Wer hätte gedacht, dass ein flugunfähiger Eisvogel, noch brachialer wüten kann, als ein paarungsunwilliger Bambusbär?

Penguin war noch brutaler als Panda. Das Update zielte direkt auf manipulative Links ab. Ich sprach damals mit einem Blogger, der über Jahre hinweg Links gekauft hatte.

Hunderte Backlinks von irgendwelchen obskuren Verzeichnissen, die stätig Spamlinks lieferten. Zu Spam wurden sie erst dank dem Pinguin abdegradiert.

Nach Penguin war sein Blog in den organischen Suchergebnissen komplett verschwunden. Nicht mal mehr auf Seite 10 zu finden. Er hat dann wochenlang schlechte Links identifiziert und über das Disavow-Tool entwertet.

Das war Sisyphusarbeit – wie das Sortieren einer völlig durcheinander geratenen Plattensammlung nach einem Gig, bei dem das Plattencover, die Innenhülle und das Vinyl, auf eine eigene, autonome Separierung bestehen.

Der Blogger erinnerte mich an Boymerang, einen DnB-Künstler aus der Tech-Step Ära. Sein legendärer 1997 Track, Soul Beat Runna, hatte da diesen Beat-Loop…

Diesen Beat hat es bislang in keinen anderen DnB-Tracks davor gegeben, er hatte ihn von Grund auf selbst programmiert.

Dillinja hatte diesen Loop schon 1997 in Silver Blade als einer der Ersten gesampelt, mutmaßlich von einer gerade neu geschnittenen Dubplate gerippt und seine eigene Marke auf Metalheadz hinterlassen – Aber ey, es ist Dillinja!

Aber wieso hat mich der Blogger an Boymerang erinnert?

Boymerang hatte einen aufwändigen Arbeitsprozess realisiert, um diesen Drumloop so zu erstellen. Zunächst sampelte er den Orginal Amen-Loop der Winstons. Schnitt in seinem E-MU E-4 Sampler jedes einzelne Drum-Ereignis in diesem Loop aus.

Hatte somit jedes einzelne Element des Drumloops isoliert. Diese Einzelhits spielte er manuell in seinem Sequenzer nach, dass der Orginalbeat wieder im Flow war. Alles im Orginaltempo mit 136 BPM.

Dann ersetzte er Schlag für Schlag, Element für Element jedes einzelne Ereignis aus dem Amen. Selbst scheinbar leere Teile, in denen nur ein Hintergrundgeräusch, oder ein Rauschen zu hören ist.

Die Regel war, keine neuen Sampels einzusetzen, die bereits in anderen Drum and Bass Tunes eingesetzt worden sind. Er hat also unzählige Stunden damit verbracht, einzelne Beatelemente wie Kick, Snarre, Hats, Hits, etc. aus unterschiedlichen Quellen zusammenzusuchen.

Diese neuen Elemente baute er in seine Amen-Sequenz ein und stimmte diese in Pitch, Länge und Effekt ab. Ersetzte zudem neue Hintergrund-Layer und Noises.

Bis es für ihn stimmte.

Dann nahm er den Loop aufs DAT auf, resampelte ihn erneut in seinem E-MU E-4.

Wieder schnitt er seinen neuen Loop in Einzelfragmente. Dann erhöhte er das Tempo auf 168 BPM. Natürlich gab es auch hier Anpassungen, die dann schlussendlich zum legendären Ergebnis führten.

Boymerang selbst gab an, dass allein dieser gesamte Prozess, um einen solchen Drumloop zu bauen, ihn etwa 2 Wochen gekostet hat.

Er hätte den Loop wie Gollum seinen Schatz umklammern können – Mein Ring! – und ihn nie jemandem weitergegeben.

Doch stattdessen hat er etwas Geniales getan: Er hat den Loop in radikaler Nacktheit freigelegt. Keine Pads, kein Beiwerk, keine Rückendeckung – nur der pure Loop, ausgesetzt im Raum. Einige Bars lang.

Dillinja war der erste, der dieser Einladung gefolgt ist. Es folgten über 90 weitere Titel anderer Künstler, die die Genialität dieses Loops in ihren eigenen Werken zu nutzen wussten: John B, Limewax, Spectrasoul, Nasty Habits, Dj Fresh, sind nur einige davon.

Die Lektion war in beiden Fällen dieselbe, auch wenn sie völlig unterschiedlich aussah: Der Blogger musste wochenlang Sisyphusarbeit leisten, um seinen Spam-Müll wieder loszuwerden, während Boymerang zwei Wochen lang akribisch an einem einzigen Drumloop feilte – aber am Ende zahlte sich echte Handwerkskunst aus, während billige Abkürzungen einen nur in die Sackgasse führen.

Qualität kostet Zeit, aber Quantität kostet am Ende alles.

 

Mobile First Google Club

 

2013-2015: Mobile verändert alles

Hummingbird 2013 war subtiler, aber genauso wichtig. Google fing an, Kontext zu verstehen. Plötzlich waren Long-Tail-Keywords relevant.

„Zahnarzt Frankfurt Innenstadt Samstag geöffnet“ wurde wichtiger als nur „Zahnarzt Frankfurt“.

Wir haben das an der Performance auch schnell gemerkt. Unsere produktspezifischen Landingpages mit natürlich formulierten Texten rankten plötzlich besser, als die keyword-optimierten Standardseiten.

Wir mussten einige diese Produkttexte nämlich selbst erstellen, da zu dem Zeitpunkt nicht alle für alle Produkte Herstellerbeschreibungen vorlagen.

Aus dieser Eigenschaft haben wir etwas eher zufälligerweise entdeckt: Unsere Produkttexte waren ja selbstgeschrieben. Mit dem Anspruch, dem fehlenden Herstellertext nahe zu kommen. Aber dennoch mit unserem eigenen Schreibstil. Und in genau diese Produkte kam SEO-Bewegung rein.

Also haben wir uns entschlossen, einen Großteil der bereits eingebauten Herstellertexte auch umgeschrieben.

Da ich damals im Dentalmailorder 3 Webshops gleichzeitig betreute, nutzte ich dies als Testszenario. In allen 3 Shops waren bei einem Großteil der Produkte, immer die identischen Beschreibungen und Meta-Tags angegeben.

In allen 3 Shops eierten wir mit einer Produktsuche, irgendwo zwischen der ersten und der zweiten Ergebnisseite.

Bei dem einen Shop, bei dem wir ein Abformmaterial mit einer eigenen und neuen Identität versahen, hats gezündet. Dieser Shop war nun in der Produktsuche in den ersten Top-5. Nice and easy, das machte deutlich, dass Duplicate Content für Google in der Tat im Focus stand.

2015 dann der Mobile-Wendepunkt. Mobile Suchen überholten Desktop. Und das als B2B Dentalhandel, bei dem man seine Kunden am Monitor in der Praxis sitzen sieht. Am Faxgerät. Und nicht am Handy.

Die Recherche wurde mit Mobiles umgesetzt, aber gekauft wurde dann über Desktop.

Das war wie der Moment, als die CDs das Vinyl ablösten – ein kompletter Paradigmenwechsel. Allerdings brauchte die CD fast 10 Jahre für diesen Job.

Mobile-First hingegen hatte dafür gefühlt Wochen gebraucht.

Ein Frankfurter Restaurant, hatte eine wunderschöne Desktop-Website. Mobil war sie eine Katastrophe – nichts funktionierte richtig. Wie war das zu dieser Zeit in den Dentalshops? Ach, lassen wir das lieber…

Nach dem Mobile-Update verlor der Restaurant-Betreiber 70% seiner Online-Reservierungen. Er musste komplett neu aufbauen.

Keine Restauration im Restaurant.

Mit den zu der Zeit neu aufgekommenen Editors auf WordPress, die eine responsive Seitenerstellung erlaubten, war das ein kompletter Neuaufbau in 3 parallelen Designs.

Ende 2016 bin ich das erste Mal über Elementor gestolpert. Responsive war schon Pflicht, aber die verfügbaren Builder?

Ein Kinderarzt wollte seine Praxis-Website selbst bearbeiten können – ohne mich jedes Mal anzurufen. WPBakery war damals der Standard, aber ehrlich gesagt war das Ding träge, hakelig und langsam.

Elementor war dagegen richtig flüssig, besonders wenn man schnell Landingpages für Kampagnen brauchte.

Dennoch entschied sich der Kinderarzt für jede Anpassung der Praxis-Ferien, Öffnungszeiten, Blog-Beiträgen bei mir anzurufen – auch Elementor war ihm schlussendlich zu fummelig.

 

AI übernimmt die Party

 

2018-2023: KI macht sich bemerkbar

RankBrain lief ja schon seit 2015, aber ich hab ehrlich gesagt erst 2018 angefangen zu verstehen, was da eigentlich abgeht.

Bei meinem damaligen Arbeitgeber sind wir irgendwann draufgekommen, dass unsere Produktseiten völlig unterschiedlich ranken, obwohl der Content praktisch identisch war.

Auch unser Administrator und Webshop-Betreiber in Henstedt-Ulzburg hatte zwischenzeitlich in neue Server investiert. Pagespeed war im Desktopbereich bei knappen 3 Sekunden, Mobile hingegen bei 6 Sekunden – von dem FPL reden wir dennoch im zweistelligen Sekundenbereich.

Eine Seite für eine Mundspülung hatte eine Bounce Rate von 65% (weil die bedingt durch Content-Erweiterung und Drittanbieter-Skripte länger zum Laden brauchte), die andere nur 32%.

Rate mal, welche besser gerankt hat?

Die schnelle natürlich. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern konstant 3-4 Plätze höher. Das war noch vor den offiziellen Core Web Vitals, aber Google hat schon damals gemessen, wie die Leute sich auf den Seiten verhalten.

Was mich richtig überrascht hat: Verweildauer wurde plötzlich mega wichtig. Früher war mir das nicht so wichtig – Hauptsache die Kunden kommen auf die Seite. Kaufen. Grab the money – and run.

Aber Google fing an zu checken: Bleiben die Nutzer oder hauen sie sofort wieder ab? Gehen sie in Unterseiten und weitere Kategorien und suchen? Oder springen sie aus dem Shop ab und gehen zu einem anderen Shop – bei dem sie dann bleiben. Weil sie das gefunden habe, was sie suchen.

Verweildauer steigt – klares Signal, dass hier Relevanz vorgefunden wurde.

Aus E-A-T kam dann Dezember 2022 dann diese E-E-A-T Geschichte.

Ein zusätzliches E.

Ich dachte mir: Next ist the E. Irgendwie wieder voll 90´er, wurde ja mal Zeit, dass die Ekstase wieder zurückkehrt.

Das zusätzliche E stand bei Google dann aber doch für Experience.

Ich verstand nun Total-Extacy: Da hat doch das kleine, gemeinnützige Unternehmen, OpenAI, im November 2022, um 13:46h diesen Chatbot „Chat-GPT“ vorgestellt:

14.00h – Krisensitzung bei Google
14:02h – Larry Page schließt ein kostenloses Testabo bei ChatGPT ab
14:04h – Page schreibt eine WhatsApp an Brin
14:05h – Sergey Brin schließt ein kostenloses Testabo bei ChatGPT ab
14:07h – Brin stellt das neue Google Projekt Gemini vor
14:08h – Brin schreibt eine WhatsApp an Pichai
14:10h – Pichai schließt ein kostenloses Testabo bei ChatGPT ab
14:11h – Pichai stellt einen Termin in Outlook rein, für Dezember 2022

Dezember 2022. Google bereitet sich auf den KI-Content-Tsunami vor.

Hab das bei einem Zahnarzt aus Mainz beobachten können: Er praktizierte seit Jahren einen eigenen Blog und schreibt auf seiner Website über konkrete Fälle.

Nicht so „Der ultimative Tipp für 32 gesunde Zähne: 4 müssen raus!“, sondern echte Geschichten, mit Mehrwert: „Letzte Woche hatte ich einen Patienten mit Parodontitis im Endstadium, mit systemischer Auswirkung…“ Solche Sachen eben.

Einige seiner Artikel haben die Artikel großer Gesundheitsportale überholt. Warum? Weil Google gemerkt hat: Hier schreibt jemand aus echter Erfahrung, nicht irgendein Freelancer, der schnell mal was zusammengoogelt hat.

BERT 2019 hat das nochmal verstärkt. Plötzlich verstand Google Kontext viel besser.

Wenn Dr. Schmidt über „Implantate bei Diabetikern“ schreibt und dabei seine 20-jährige Praxis-Erfahrung einfließen lässt, dann merkt Google: Das ist kein Standard-SEO-Content, mit oberflächlichen, Keyword-optimierten Inhalten.

 

 

2024: Die KI-Bombe platzt

Mai 2024. 

AI Overviews waren live gegangen.

Analytics: Überall Traffic-Einbrüche. 25%, 40%, bei manchen sogar 60%.

Solche Zahlen in Reports zu kommunizieren, führt beim Stakeholder ausnahmslos zu Rückfragen. Ein Steuerberater aus Hamburg rief mich an: „Was ist passiert? Meine Website-Besucher sind ja fast halbiert, wo sind die denn hin? Die sind ja weg!“

Ja, gut erkannt, aber mein Argument: „Ihr Content ist nicht weg, es nutzt nur ein Anderer – und da sind Ihre Besucher hin.“ kam dann auch nicht so gut an.

Seine gut rankenden Ratgeber-Artikel wurden jetzt von AI Overviews zusammengefasst.

Die Leute bekamen ihre Antworten direkt bei Google, ohne auf seine Website zu klicken und sich durchlesen zu müssen.

Google bedient sich also an den Samples unterschiedlicher Urheber und erstellte damit ein eigenes Werk, das es unter eigenem Label vermarktet.

Lang hats gedauert, aber der Groschen fiel: Das Spiel hat sich fundamental geändert. 15 Jahre SEO-Erfahrung, und plötzlich gelten fundamental andere Regeln.

Ende 2000´er: Pioneer CDJ-2000 waren live gegangen.

Ehrlich muss man sein. Die Technics 1200/10 – seit Ende der 70er Jahre DAS Herzstück jeder Club-Booth – verschwanden quasi über Nacht. CDJ-Systeme mit USB-Ports übernahmen das Geschäft.

Vorher: Schweren Plattenkoffer schleppen. 50-60 Tracks für einen ganzen Abend. Jede Platte einzeln davor auswählen, weil Platz und Muskelkraft begrenzt war.

Nachher: 4GB USB-Stick. Tausende Tracks und Stems. Spontan auf jede Crowd-Reaktion eingehen können. Komplette Musikarchive auf einem Speichermedium, das in die Hosentasche passt.

Nach 15 Jahren in dieser Branche – von meinen Anfängen im Dental-Marketing, bis heute als Senior Relationship Manager und selbstständiger Berater – weiß ich eines:

Die Zeichen der Zeit lesen. Auf die entscheidenden Entwicklungen aufmerksam werden, sie verstehen, und gezielt in die Praxis übersetzen.

Jedes Update, jede Veränderung hat mich gelehrt, flexibel zu bleiben. Google wird nie aufhören, die Regeln zu ändern. Aber wer versteht, dass es letztendlich um bessere Nutzererfahrung geht, wird immer einen Weg finden.

Wie beim DJing – du kämpfst nicht gegen die Musik, du lässt dich von ihr leiten.

Die Reise von 2010 bis 2024 war wild. Manchmal frustrierend, oft überraschend, aber nie langweilig. Und das Beste? SEO dreht weiter.

Wie der locked groove, die Endlosrille im Vinyl…

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